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VERSCHACHTELT
Das gekonnte Prinzip der Kästen: der Eingang aus Sichtbeton, die sägeraue Bretterschalung ­erkennbar, dahinter sichtbar das ­Obergeschoss – aus schwarz eloxiertem ­Alublech wie auch die Garage, die vom Portal überlagert wird

Finden Sie mal ein Grundstück an einem bayerischen See!“, lacht die Hausherrin. Jetzt hat sie gut lachen. ­Anderthalb Jahre hat das Paar gesucht. Und dann am Tegernsee endlich … Und doch, es geht den beiden nicht nur um die Lage, es geht auch um die ­Umsetzung ihrer Ästhetik. Aber die Vorstellung von Architektur, die das Paar begeistert, wird in Ober­bayern nicht goutiert – zeitgenössische Bauten werden nicht gestattet, Traditionelles ist in exponierten Lagen ein Must. Also geht die Suche weiter. Allerdings mit einer Trumpfkarte: Bembé Dellinger. Das Architektenbüro aus Augsburg haben die Bauherren bei dem Versuch, die Region um den Tegernsee in die Moderne zu locken, kennengelernt. Erste Gespräche, erste Entwürfe – und eine Geschichte mit Happy End. Das verrät schon der erste Blick auf das Gebäude: Der lange Weg zum eigenen Heim führt durch die Neuinterpretation Auffahrt.

Technischer und konstruktiver Aufwand sowie gekonnte Abstraktion sind die Merkmale der Eingangssituation, entstehend aus der Verbindung der Bauelemente. Die Garageneinfahrt als „schwarzer“ Sichtbetonkubus liegt unter der helleren Gesamtkons­truktion, die wiederum nicht „platt“ als Röhre daher­kommt, sondern mit Einschnitten für Ausblicke. Das Augenmerk fällt auf Nuancen. ­Geschlossene Gebäudeelemente wie Wohnhaus und Garage sind dunkel, das verbindende Element hell. Obwohl … Die Glasfassaden des Wohntrakts sind schwarz eloxiert. Das Spiel der Kontraste, die zueinander liegenden Riegel sind in Summe gekonnte Reaktionen auf die Gegebenheiten. Bis hin zum schwarzen Kies, dem kubisch geschnittenen Kirschlorbeer und dem Bambus im Außenbereich.

Dazu noch eine Rückblende: Das Bauherren-Paar entdeckte das Gründstück im August 2008. Ein „langer, abschüssiger Schlauch“, so die erste Erinnerung. Die 900 Quadratmeter gaben Raum für ein Ferienhaus. Von Seeblick, obwohl der Wörthsee nur 300 Meter entfernt ist, keine Spur. Erst als der Bauherr, ein risikogewöhnter Manager, das kleine Häuschen erklomm, konnte er genießen, was beide sich erträumten: Wasser­idylle zum Greifen nah. Die Kaufentscheidung war gefallen. ­Felix Bembé und Sebastian Dellinger durften sich mit einem Konvolut an Ideen auseinandersetzen. „Es gab nur zwei Vorgespräche mit den Architekten. Wir haben unsere Vision erläutert. Mein Mann ist ein Fan von loftartigem Wohnen, ich wollte unbedingt eine Dach­ter­rasse“, erzählt die Bauherrin, die schon mit dem ersten Entwurf des Architektenbüros eine 95-Prozent-Lösung vorliegen hatte.

Heimat-Hafen.
Wie eine minimalistische Dschunke ankert dieses Haus am Ufer des bayerischen Wörthsees – und bietet zwei Design-Fans faszinierende Sicht aufs Wasser. Ebenfalls sehenswert: die beiden „Oberdecks“ und die kontrastreiche Kajüte

Text

Andreas Tölke

Fotos

Tobias Kreissl

Komplette Story: H.O.M.E. Mai 2011